Craft BierMikrobrauerei

Pilsner (kurz: Pils) ist ein untergärig gebrautes Bier, das im Vergleich zu anderen Bierstilen mindesten einen leicht hopfen-betonten und bitteren Geschmack aufweist. Allerdings variieren die Aroma-Profile je nach Klassifizierung recht deutlich (siehe Varianten).

Pilsner Brauart

Die Pilsner Brauart ist aus der schon damals berühmten Bayerischen Brauart entstanden, die vor allem auf einem schonend gedarrten und daher sehr hellen Malz beruhte. Dieser ist heute als "Pilsner Malz" bekannt und verleiht dem Pils seine helle goldgelbe Farbe. Zusammen mit der untergärigen Hefe ist er verantwortlich für das leichte und schlanke Geschmacksprofil mit wenig Körper.

Eine langsame, kalte Gärung und lange Lagerung in kalten Höhlen und tiefen Kellern sind typische Merkmale des Biers. Es handelt sich um eine Art helles Lagerbier.

Nach Pilsner Brauart, benannt nach der böhmischen Stadt Pilsen (heute die viertgrößte Stadt Tschechiens) hergestellte Biere bilden den Großteil der in Deutschland produzierten und verkauften Biere.

Steckbrief

Alkoholgehalt: 4 - 5,5 % vol.
Stammwürze: 10 - 15 °P
Hefe: untergärig
IBU: 30 - 45 IBU
EBC: 4 - 8 EBC

Varianten

Das "Pils" lässt sich in 4 Typen unterteilen.

Böhmisches (tschechisches) Pils

Golden, farbenfroh, mit hohem Schaum und leichterem Geschmack. Typische ist eine verkürzte Lagerzeit. Dadurch wird ein Jung-Bouquet-Stoff, das Diacetyl durch die Hefen nicht abgebaut, und verleiht dem Bier einen buttrigen Geschmack - Pilsner Urquell (40 IUB), Budweiser Original (22 IUB), Gambrinus, Radegast, Staropramen.

Norddeutsches Pils

Helle stroh- bis goldgelbe Farbe mit eher herben, malzigen bzw. erdigem Geschmack und wenig Hopfenlastig - Jever, sozusagen der "Urtyp" (40 IUB), Beck's (24 IUB), Bitburger (32 IUB), Flensburger (38 IUB), Holsten, König (32 IUB), Krombacher (24 IUB), Radeberger (33 IUB), Warsteiner (27 IUB), Wernesgrüner (30 IUB).

Bayerisches Pils

Hat einen leicht süßen Geschmack und ist deutlich hopfenbetonter als das norddeutsche Pils - niederländisch: Amstel, Grolsch, Heineken oder belgisch: Jupiler, Stella Artois.

Pilsner nach amerikanischer Art

Deutsche Einwanderer brachten Mitte des 19. Jahrhunderts Biere nach Pilsner Art nach Amerika. In den USA gebrautes Pils ist heute nahe am deutschen Stil, aber das Schrot enthält bis zu 25 % Mais und/oder Reis. Der Stil hat im Allgemeinen einen mittelschwachen bis mittelstarken süßen Malzgeschmack und mittlere bis sehr starke Hopfennoten.

Ein Beispiel für stark gehopfte "American Style" Pilsbiere in dieser Kategorie ist das Don Limone (Munich Brew Mafia), das als Single Hop mit dem Aromahopfen Citra gebraut wird und eine deutliche Zitrus-Note aufweist.

Im Gegensatz zum Pale Ale wird es auch immer noch mit untergäriger Hefe gebraut. Diese produziert weniger Nebenprodukte und verleiht dem Bier einen klaren, schlanken Geschmack.

Pils vs. Helles vs. Export

Im wesentlichen beruhen die Unterschiede dieser 3 untergärig gebrauten Bierstile auf der Verschiebung der relativen Anteile von Hopfen und Malz (und der kräftigeren Röstung des Malzes) sowie des Anteils der Stammwürze. Hopfen & Malz sind Antagonisten: erstere liefert die Bitterstoffe, letztere den Körper (Vollmündigkeit) & eine gewisse Süße.
Allerdings lässt sich nicht immer eine scharfe Abgrenzung ziehen. Die hier vorgestellte Differenzierung ist daher als Annäherung im Sinne des Pareto-Prinzips (80/20-Regel) zu verstehen. Es gibt Ausnahmen!

  1. Das Pils ist in etwa zu 60 Prozent hopfenbetont mit 40% Malz. Die Stammwürze liegt meistens zwischen 10-12 °P.
  2. Ein Helles enthält mehre Malzsorten (insgesamt etwa 50%) um einen komplexeren Körper zu erzielen und es wird meistens eine Stammwürze von 11–13 °P verwendet.
  3. Das Export verwendet (auch im Sinne der Haltbarkeit, daher der Name) um die 60% Malz, und die Stammwürze liegt meistens zwischen 12-14 °P (wodurch auch der Alkoholgehalt steigt).

Marken

Pilsner Urquell

Der bayerische Braumeister Josef Groll (s.u.) braute 1842 den ersten Sud nach Pilsner Brauart. Das so genannte "Pilsner Urquell" wird in über 50 Länder exportiert. Es ist seit 1898 eine eingetragene Marke, die heute zum japanischen Brauereikonzern Asahi Beer gehört.

Fast die gesamte Produktion vom Fass wird gefiltert verkauft, aber kleine Mengen sind in einigen Staaten auch unfiltriert erhältlich. In den letzten Jahren wird zunehmend die unpasteurisierte "Tank"-Version des Bieres angeboten.

Budweiser

In Budweis (heute České Budějovice, Tschechische Republik) wird seit 1265 Bier gebraut. 1876 entwickelten der in Deutschland geborene Adolphus Busch und sein Freund Carl Conrad in den Vereinigten Staaten ein Lagerbier nach "böhmischer Art", inspiriert von einer Reise nach Böhmen, und produzierten es in ihrer Brauerei in St. Louis, Missouri.

Budweiser ist heute eine US-amerikanische Biermarke des Braukonzerns Anheuser-Busch Companies der jahrzehnte lang in einen Markenrechtsstreit mit der Brauerei Budějovický Budvar verwickelt war.
Eine Vereinbarung aus dem Jahr 1907 regelt, dass Anheuser-Busch den Markennamen lediglich in Nordamerika nutzen darf, wohingegen er in Europa Budějovický Budvar zusteht.
Der Konflikt zog bis 2014 weltweit über 120 Verfahren nach sich, aus denen kein klarer Sieger hervorging. Aufgrund dieses Konfliktes wird das Bier in fast allen Ländern der Europäischen Union als Bud verkauft.

Budweiser wird heute mit Buchenholzspänen im Reifetank gelagert. Das Holz trägt nur wenig zum Geschmack bei, vor allem weil es vorher 7 Stunden lang in Natriumbikarbonat (Backpulver) gekocht wird, was die meisten Geschmacksstoffe denaturieren lässt.

Geschichte

Die Stadt Pilsen begann 1295 mit dem Brauen, doch bis Mitte der 1840er Jahre wurden die meisten böhmischen Biere obergärig gebraut. Geschmack und Qualität waren oft sehr unterschiedlich, und 1838 warfen die Verbraucher ganze Fässer weg, um ihre Unzufriedenheit zu bekunden. Die Pilsner Beamten gründeten daraufhin 1839 eine stadteigene Brauerei mit dem Namen "Bürger-Brauerei Pilsen" (tschechisch: Měšťanský pivovar Plzeň), die heute für ihr Pilsner Urquell bekannt ist.

Die Pilsner Offiziellen rekrutierten den bayerischen Braumeister Josef Groll (1813-1887), der 1842 sein erstes helles Lagerbier vorstellte und dabei die Besonderheiten der lokalen Zutaten und helleren Malze nutzte. Die Kombination von Pilsens bemerkenswert weichem Wasser, lokalem Saazer Edelhopfen aus dem nahe gelegenen Žatec, hellerem Malz, und der bayerischen Lagerhaltung ergab ein klares, goldenes Bier. Das Rezept galt als Sensation und setzte sich sehr schnell durch.

Grolls Vertrag mit der Brauerei endete 1845, er kehrte in seine Heimat Vilshofen in Bayern zurück und erbte später die Brauerei seines Vaters, die heute nicht mehr existiert.

Empfehlungen

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Beverly Pils / Mashsee Brauerei

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Fastmoker Pils / Wildwuchs Brauwerk

Höllensud / Hopfenstopfer

Hopfenzupfer / Meinel-Bräu

Paragraph 14 / Camba Bavaria