Craft BierMikrobrauerei

Alkoholfreies Bier darf in Deutschland (und der EU) max. 0,5% Vol. Alkohol enthalten. Je nach Herstellungsverfahren liegt er in der Praxis zwischen 0,02% und 0,5% (der Durchschnitt liegt bei 0,35%).

Alkoholfreie Biere sind je nach Sorte leicht hypotonisch bis leicht hypertonisch, gehen aber gerade noch als "isotonisch" durch. Sie werden in kleinen Mengen und außerhalb des Trainings beziehungsweise Wettkampfs als Sportgetränk verwendet.

Alkohol ist ein Geschmacksträger (genau wie Fett), da er insbesondere in Wasser unlösliche Aromen aufnehmen kann. Von daher schmeckt alkoholfreies Bier nicht besonders "biertypisch", was nicht heißen muss, das es keinen Geschmack hat, halt nur "anders".

Bier hat auch den Ruf ein "Dickmacher" zu sein. Ein Pils bzw. Weizen enthalten etwa 42 kcal/100 ml, während alkoholfreies Bier auf etwa 22 Kalorien kommt (also knapp die Hälfte). Dies bedeutet auch, das 2 "normale" Weizen à 0,5l zusammen bereits 420 kcal enthalten. Das entspricht etwa 1/6 des "durchschnittlichen" Tagesbedarfs von 2.500 Kilokalorien.

Erst seit 2006 gibt es Biere mit 0,0 % Ethanol. Dazu zählen u.a.: Bitburger 0,0% Pils Alkoholfrei / Krombacher Alkoholfrei 0,0% Pils / Heineken 0,0%

In Deutschland lag der Marktanteil alkoholfreier Biere 2010 bei 3%, stieg bis 2015 auf ca. 5% an und stagniert seit 2017 bei rund 7%.

Steckbrief

Alkoholgehalt: 0,0 - 0,5% vol.
Stammwürze: 6 - 8 °P
Hefe: obergärig / untergärig
IBU: 2 - 20 IBU
EBC: 8 - 20 EBC

Hintergrund

Auch andere "naturnahe" Lebensmittel enthalten Alkohol. Nach dem "Deutschen Lebensmittelbuch" dürfen Fruchtsäfte einen Alkoholgehalt von 0,38% (entspricht 3 g Alkohol je Liter - wegen der geringen spezifischen Dichte des Ethanols von 0,79) enthalten. Traubensaft, Sauerkraut und reife Bananen können bis zu 0,5% Alkohol enthalten.

Herstellung

Es gibt mehrere Verfahren zur Herstellung von alkoholfreiem Bier. Jede für sich bringt gewisse Vor- und Nachteile mit sich.

Kontrollierte Gärung

Die Hefe spaltet Zucker in Alkohol und Kohlensäure. Wenn man kontrollieren kann, wie effektiv die Hefe arbeitet, kann man einen Alkoholgehalt von 0,5 % erreichen.

Verwendung zuckerarmer Getreide

Bei der dieser Methode wird die Anzahl der vergärbaren Zucker in der Würze reduziert. Wenn wenig Zucker vorhanden ist, wird der produzierte Alkohol weitaus geringer sein. Manche Brauer entscheiden sich für die Verwendung von Reis oder Mais anstelle von Gerste oder Weizen, da diese weniger extrahierbaren Zucker enthalten.

Spezielle Hefen

Verschiedene Hefestämme erzeugen unterschiedliche Geschmacksrichtungen und unterschiedliche Mengen an Alkohol. Es gibt Hefestämme, die keine Malzzucker vergären können. Andere liefern eine geringe Menge an Alkohol.

Leider bedeutet dies auch, dass nicht alle Zucker von der Hefe verwertet werden können, so dass das Endprodukt viele Kalorien enthält.

Beeinflussung des Gärungsprozesses

Die Veränderung der Dauer, des Säuregehalts, des Drucks und der Temperatur in der Gärumgebung kann die katalysatorische Effektivität der Hefe einschränken. Daher verwenden die Brauer diese Methode, um ein etwas "unfertiges" Bier herzustellen.
Bei der vorzeitigen Unterbrechung der Gärung wird meist eine schwache Stammwürze mit 7–8 °P eingesetzt.

Destillation

Wenn Bier erhitzt wird, beginnt der Ethanol (Siedepunkt bei 78,3 °C) im Bier schneller als das Wasser zu verdampfen. Zum Leidwesen der Biertrinker kann diese Hitze den Geschmack des gegorenen Bieres verändern.
Damit sich der Geschmack nicht verändert, setzen einige Brauereien die Vakuumdestillation ein. Bei diesem Verfahren wird der Siedepunkt des Alkohols durch ein Vakuum so weit wie möglich gesenkt. Anstatt das Bier auf eine heiße Temperatur zu erhitzen, erreicht es nur eine warme Temperatur. Diese Technik trägt dazu bei, dass die Aromen erhalten bleiben, während der Alkoholgehalt reduziert wird.

Umkehrosmose

Eine beliebte Technik ist die Umkehrosmose. Bei dieser Technik wird das Bier durch einen Filter gepresst. Die Löcher im Filter sind so klein, dass nur Wasser, Alkohol und einige flüchtige Säuren durch den Filter gelangen können. Anschließend kann der Alkohol aus dem Alkohol-Wasser-Gemisch mit Hilfe der Standarddestillation entfernt werden.

Verdünnung

Einige Brauer stellen einfach hochkonzentriertes Bier nach der traditionellen Methode her. Nach der Gärung verdünnen sie das Konzentrat, bis es 0,5 % auf der ABV-Skala misst. Das verdünnte Bier wird dann mit Kohlensäure versetzt und in Flaschen abgefüllt.

Kohlensäure

Normalerweise erhält ein Bier seine Kohlensäure durch die Gärung. Wenn diese aber reduziert ist, bzw. das Bier destilliert wird, ist die Kohlensäure futsch.
In den meisten Brauereien wird Kohlendioxid in die Flasche, das Fass oder die Dose einspritzen. Diese Methode ähnelt dem Verfahren, mit dem kohlensäurehaltige Limonade herstellt wird.

Light-Bier

In den 1980er und 1990er Jahren führte die wachsende Besorgnis über Alkoholismus zu einer zunehmenden Beliebtheit von "Light"-Bieren. Sie enthalten typsicherweise 2,2–4,2% Alkohol und auch weniger Kalorien (110 - 130 kJ pro 100ml (26 - 30 kcal)). In den 2010er Jahren konzentrierten sich die Brauereien auf die Vermarktung von Bieren mit niedrigem Alkoholgehalt, um der Beliebtheit des Selbstgebrauten entgegenzuwirken.

Geschichte

Alkoholfreies Bier hatte seine Anfänge in Amerika während der Prohibition im Jahr 1919. Zu dieser Zeit begannen Brauereien wie Anheuser-Busch, Miller und Schlitz mit der Herstellung von "Near Beer", um das damalige Gesetz zu umgehen. Bei diesen Getränken handelte es sich um Malzgetränke mit sehr geringem Alkoholgehalt (weniger als 0,5 Volumenprozent). Um den Alkohol zu entfernen, wurde er meistens abgekocht (mit den bekannten Nebenwirkungen, s.o.).
Viele waren der Meinung, dass das Bier durch den Entzug des Alkohols geschmacklos wurde. Mit der Zeit fanden die Menschen jedoch einen Weg, den Alkohol heimlich wieder in die Flasche oder das Fass Bier zu bringen, ein illegales Verfahren, das zu "gespicktem Bier" führte.

Interessanterweise entwickelten einige Konsumenten eine Vorliebe für dieses alkoholfreie Bier. Als die Prohibition über ein Jahrzehnt später endete, wollten diese immer noch ein Bier, das wie die alkoholfreie Variante schmeckte. Aufgrund dieser Vorliebe der Verbraucher kreierten viele amerikanische Marken relativ fades, leichtes Bier.

Heutzutage wird alkoholfreies Bier immer noch hergestellt und verkauft, und in vielen Staaten ist es sogar für Minderjährige legal, es zu kaufen und zu trinken, obwohl in einigen Staaten ein Mindestalter von 21 Jahren für den Genuss von "alkoholfreiem Bier" vorgeschrieben ist. Das liegt daran, dass auch alkoholfreies Bier häufig einen gewissen Alkoholgehalt hat.

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